Wann ist eine logopädische Abklärung sinnvoll?

Sprachentwicklung ist ein komplexer Prozess. Sie als Eltern kennen Ihr Kind am besten und sind am häufigsten mit ihm in Kontakt. Auch wenn Ihr Kind nicht oder nicht altersentsprechend spricht, verstehen Sie trotzdem meistens, was es ausdrücken möchte. Zudem lernt ein Kind mit Sprachverständnisschwierigkeiten, sich an anderen Hinweisen als der Sprache zu orientieren: Mimik und Gestik, daran, was andere tun oder was in wiederkehrenden alltäglichen Situationen zu tun ist. Gerade diese Umstände erschweren eine objektive Beurteilung, weshalb eine fachliche Einschätzung hilfreich sein kann. Kontaktieren Sie uns, wenn Sie bezüglich der Sprachentwicklung besorgt sind und/oder Sie Folgendes beobachten:

  • Ihr Kind reagiert wenig auf Sprache, nimmt selten Blickkontakt auf und scheint sich mehr für Gegenstände als Personen zu interessieren.
  • Mit 2 Jahren spricht es noch keine oder erst wenige Wörter. 
  • Mit 3 Jahren verbindet es Wörter noch nicht zu kurzen Sätzen.
  • Ihr Kind produziert eine eigene unverständliche Sprache oder benutzt viele Fantasiewörter.
  • Mit 3-4 Jahren wird es von Ihnen, aber insbesondere von Aussenstehenden sprachlich kaum verstanden. Die Sätze sind unvollständig und ihrem Kind fehlen Laute oder Wörter, um sich genau auszudrücken.
  • Mit 3-4 Jahren fragt es kaum Fragen (Wo?, Wer?, Warum?).
  • Ihr Kind übergeht Missverständnisse oder reagiert mit Frustration und Rückzug, wenn es nicht verstanden wird.
  • Bei Fragen und Aufträgen reagiert Ihr Kind oft nicht oder nicht entsprechend. Es hat Mühe, Erklärungen und Geschichten zu verstehen, teilt dies aber nicht mit und fragt nicht nach.
  • Ihr Kind wächst mehrsprachig auf und macht trotz regelmässigem Deutschinput keine oder kaum Fortschritte in der deutschen Sprache.
  • Ihr Kind stottert, spricht überhastet oder verstummt in vielen Situationen ausserhalb der Familie.

Was können Sie als Eltern tun?

Kinder lernen Sprache, indem wir mit ihnen sprechen. Aber worüber? Beobachten Sie, was Ihr Kind tut bzw. was es beschäftigt und versprachlichen Sie dies. Worauf richtet sich seine Aufmerksamkeit? Wo teilt es seine Freude? Wo sucht es staunend Ihren Blick?

Spracherwerb muss lust- und bedeutungsvoll sein. Fragen Sie nicht ab und korrigieren Sie nicht. Wiederholen und erweitern Sie die Äusserungen des Kindes. Stellen Sie echte Fragen und hören Sie mit Interesse zu. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und versuchen Sie, Missverständnisse zu klären. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es genau verstehen möchten. Übersetzen Sie seine Gefühle in kindgerechte Sprache. Gehen Sie im Spiel auf das Tempo Ihres Kindes ein und denken Sie nicht 10 Schritte voraus. Gerade Kinder mit Spracherwerbsstörungen brauchen für den Aufbau von eigenen und gemeinsamen Vorstellungen mehr Zeit. Ermöglichen Sie Ihrem Kind das Zusammensein mit anderen Kindern und Erwachsenen. Und ganz wichtig: Seien Sie sich Ihrer Beziehung bewusst und pflegen Sie sie. Ihr Kind lernt von Ihnen, weil es Sie liebt.


Weiterführende Links

Informationen und Flyer des Logopädieverbandes zu kleinen Kindern
https://www.logopaedie.ch/kleinkinder

65 Kurzfilme über frühkindliches Lernen im Alltag, verfügbar in 13 Sprachen
https://www.kinder-4.ch/de/start?l=1